Kleine Alltagsdinge, große Wirkung – eine sehr persönliche Geschichte und was die Forschung sagt
Mein Kater ist jetzt 18 Jahre und 5 Monate alt. Wir haben uns gefunden, als er ein winziges Kitten war: zusammen mit seiner Mama und seinen Geschwistern auf der Straße gefunden. Während sie im Quarantänebereich waren, ist eines der Kitten an Katzenschnupfen erkrankt und leider verstorben. Seit er 9 Wochen alt war, lebt er bei mir. Über fast sein ganzes Leben hinweg war er kerngesund.
Das hat sich vor ein paar Monaten verändert. Von einem Tag auf den anderen konnte er kaum noch aufstehen und richtig laufen. Die Tierärztin hat starke Arthrose festgestellt. Er bekam für einige Wochen ein Schmerzmittel, das ich nach Rücksprache wieder ausgeschlichen habe. Heute spürt man, dass seine Kraft nachlässt.
Genau das ist der Grund für diesen Beitrag: Was im Alltag wirklich hilft, wenn eine alte Katze langsam zum Senior wird und wo Vorsicht besser ist als Aktionismus.
Was im Alter bei Katzen häufig passiert
Arthrose kommt bei älteren Katzen oft vor und wird im Alltag leicht übersehen. Katzen zeigen Schmerzen sehr unauffällig. Sie springen nicht mehr so hoch, bewegen sich weniger, schlafen mehr, putzen manche Stellen nicht mehr richtig oder werden stiller. Wer das als „normales Altern“ deutet, übersieht möglicherweise echte Beschwerden.
Viele ältere Katzen werden wählerischer beim Futter oder verlieren Muskelmasse. Auch die Zähne, die Nieren und die Schilddrüse können im Alter empfindlicher reagieren.
Wichtig ist deshalb, regelmäßig hinzusehen, Veränderungen zu notieren und mit der Tierärztin/ dem Tierarzt zu besprechen, was im Einzelfall wirklich passt.
Die fünf Bereiche, in denen du am meisten bewirken kannst
1. Wohnung seniorengerecht gestalten
Alte Katzen brauchen vor allem eines: einfache Wege. Ein paar Ideen, die ich empfehlen kann:
Hohe Lieblingsplätze über eine Rampe oder Stufe erreichbar machen. Ein einfacher Hocker oder eine flache Kiste reicht oft.
Toiletten mit niedrigem Einstieg anbieten, vor allem wenn die Katze steifer wird.
Wasser- und Futternapf auf erhöhte Höhe stellen, damit die Katze sich beim Fressen nicht so tief bücken muss.
Mehrere ruhige Rückzugsorte schaffen, weg von Trubel, Kindern oder anderen Tieren.
Alles, was die Katze im Alltag braucht, dichter zusammenstellen. Wir haben Katzenklo, Futter, Wasser und einen ruhigen Liegeplatz an verschiedenen Stellen im Wohnzimmer eingerichtet, damit er keine weiten Wege mehr gehen muss.
2. Wärme und Komfort
Ältere Katzen liegen deutlich länger. Wärme entlastet die Gelenke und fördert den Schlaf.
Weiche, gut gepolsterte Liegeplätze an bevorzugten Orten.
Selbstwärmende Liegematten oder ein in ein Handtuch gewickelter warmer Kirschkernkissen-Sack von außen.
Zugluft vermeiden, gerade bei nass-kaltem Wetter oder im Schlafzimmer am Fenster.
3. Fütterung im Alter
Was ältere Katzen brauchen, hängt sehr vom Tier ab. Es gibt kein Futter und keinen Trick, die für jede Senior-Katze passt. Sinnvoll ist es aber, aufmerksam hinzuschauen:
Frisst deine Katze gut und mit Appetit oder lässt sie Mahlzeiten aus?
Trinkt sie ausreichend, eher wenig oder eventuell sogar zu viel?
Baut sie Muskeln ab?
Verträgt sie ihre gewohnte Ration weiterhin oder gibt es Verdauungsprobleme?
Bei Senior-Katzen lohnt es sich, Trinkmenge und Körpergewicht regelmäßig zu notieren. Beides sind einfache Werte, die in der Sprechstunde sehr aufschlussreich sind.
Häufig wird diskutiert, dass ältere Katzen weniger Phosphor und teilweise angepasstes Protein brauchen. Das gilt besonders, wenn die Nieren bereits betroffen sind. Eine pauschale Empfehlung für alle Katzen ab einem bestimmten Alter lässt sich daraus aber nicht ableiten. Am Ende zählt die individuelle Blut- und Urin-Untersuchung beim Tierarzt.
4. Ergänzungen, die manche Katzen gut vertragen
Ich setze bei meinem Kater seit der Arthrose-Diagnose erhöhtes Omega-3-Öl ein. Aus der Human- und Hundeforschung weiß man, dass Omega-3-Fettsäuren entzündliche Prozesse im Gelenk mit beeinflussen können. Bei Katzen ist die Studienlage dünner, deshalb gehört eine individuelle Verträglichkeitsprüfung dazu. Ebenfalls ergänze ich zusätzlich Grünlippmuschel. Beide Ergänzungen sind kein Ersatz für eine sinnvolle Schmerztherapie, wenn die Tierärztin sie für nötig hält.
Wenn deine Katze kleine, gut verträgliche Extras vom Tisch mag, spricht aus ernährungsberaterischer Sicht wenig dagegen. Mein Kater bekommt zum Beispiel ab und zu ein Löffelchen Joghurt oder Frischkäse und eine kleine Portion selbstgemachte Knochenbrühe über sein Futter. Beides verträgt er gut. Wichtig ist, dass diese Extras zur Gesamtration passen und keine versteckten Belastungen mitbringen, etwa zu viel Salz oder Phosphor bei empfindlichen Nieren.
5. Traumeel – eine persönliche Anmerkung
Traumeel ist ein homöopathisches Komplexmittel. In der evidenzbasierten Tiermedizin gibt es keinen Wirksamkeitsnachweis, der über Placebo hinausgeht. Ich sage das hier ganz offen, weil ich selbst Tierernährungsberaterin bin und zu meinen eigenen Entscheidungen stehen möchte.
Trotzdem setze ich Traumeel bei meinem Kater im Bedarfsfall ein. Ich hatte vor einigen Jahren einen anderen Kater, der sich die Pfote gebrochen hat, und unterstützend mit Traumeel ebenfalls sehr gute Erfahrungen gemacht. Das ist meine persönliche Erfahrung, keine allgemeine Empfehlung oder Beratung. Sprich immer mit deinem Tierarzt, was zu deiner Katze passt und ob etwas abgestimmt werden muss, besonders wenn andere Medikamente im Spiel sind oder die Nieren nicht mehr optimal arbeiten.
Was du nicht alleine entscheiden solltest
Bestimmte Dinge gehören in jedem Fall in die Hand von deinem Tierarzt:
Schmerzmedikation und ihre Dosis, gerade wenn die Nieren älterer Katzen empfindlich reagieren.
Ergänzungsfuttermittel gegen Arthrose, wenn deine Katze bereits andere Medikamente bekommt.
Futterumstellungen bei bekannter Nieren- oder Schilddrüsenerkrankung.
Akute Veränderungen, die nicht zu erklären sind: plötzliche Appetitlosigkeit, deutlich vermehrtes Trinken, Gewichtsverlust, Bewegungsunlust, häufiges Stolpern, verändertes Miauen, Probleme beim Toilettengang.
Wenn du unsicher bist, ob etwas „normal“ ist oder ein Hinweis auf Schmerzen oder Krankheit, frage lieber einmal zu viel in der Praxis nach.
Wie du Veränderungen wirklich bemerkst
Senior-Katzen verändern sich meistens leise. Es lohnt sich, alle paar Wochen kurz innezuhalten und auf ein paar einfache Dinge zu achten:
Gewicht und Körperkondition im Blick behalten
Wie oft trinkt sie, wie ist der Urin?
Frisst sie normal oder zögerlich?
Springt sie noch, oder geht sie Wege lieber zu Fuß?
Putzt sie sich noch überall oder lässt sie Stellen aus?
Ist sie weiterhin interessiert, verspielt und am Alltag beteiligt?
Was du regelmäßig beobachtest, kannst du deinem Tierarzt oder mir in der Beratung konkret mitgeben. Das spart oft viele Raterei-Runden.
Mein persönliches Fazit
Ich bin keine Tierärztin. Ich bin Ernährungsberaterin für Hund und Katze, und ich teile hier vor allem eines: das, was ich gerade selbst lerne, während mein Kater älter wird.
Was ich gelernt habe, ist einfach: kleine Dinge machen einen großen Unterschied. Ein bisschen mehr Wärme, ein Löffelchen Brühe oder das Katzenklo für ihn näher dran. Nicht das große Special, sondern die vielen kleinen Anpassungen im Alltag.
Wenn du rund um deine Senior-Katze Fragen zur Fütterung hast, egal ob gekochte Ration, BARF oder eine ergänzte Dose – schreib mir gerne. Wir schauen gemeinsam, wo wir eure Katze gut unterstützen können und wo etwas nicht mehr zur Situation passt.
Quellen
United States Food and Drug Administration (FDA). Osteoarthritis in Cats: More Common Than You Think. https://www.fda.gov/animal-veterinary/animal-health-literacy/osteoarthritis-cats-more-common-you-think
Perry, K. L. et al. Osteoarthritis in cats: what we know, and mostly, what we don't know … yet. Veterinary Journal, 2024. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12277680/
Roush, J. K. et al. Multicenter veterinary practice assessment of the effects of omega-3 fatty acids on osteoarthritis in dogs. Journal of the American Veterinary Medical Association, 2010. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20043800/
Corbee, R. J. et al. The efficacy of a nutritional supplement containing green‐lipped mussel, curcumin and blackcurrant leaf extract in dogs and cats with osteoarthritis. Veterinary Medicine and Science, 2022. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35274496/
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und enthält persönliche Erfahrungen der Autorin. Ernährungsberatung ersetzt keine tierärztliche Diagnose und Behandlung. Bei akuten oder ungewöhnlichen Beschwerden wende dich bitte an eine Tierärztin oder einen Tierarzt.